Text


 

CNC EIGENBAU PLOTTER/FRÄSE

Plotter mit AirbrushVorsatz;

 

 

3d-print pla 12cm
Steuerung: arduino/raspberrypi/ipad1

“…..Fürwahr, ich erinnere mich nicht mehr, ob ich noch immer der vom Sonntag war oder bereits der vom Montag,übrigens hatte das ohnehin keine Bedeutung mehr. Die Kinder weinten, weil man sie im Gedränge drückte, und schrien nach der Mutter, der Vorsitzende – der Tichy aus dem künftigen Jahr– fluchte wie ein Kesselflicker, weil der vom Mittwoch, der auf der vergeblichen Suche nach Schokolade unters Bett gekrochen war, ihn ins Bein gebissen hatte, als der ihm auf den Finger getreten war. Ich sah, daß das alles schlimm enden würde, zumal sich hier und da schon graue Bärte zeigten. Zwischen dem 142. und dem 143. Strudel ließ ich eine Anwesenheitsliste herumreichen, aber da wurde offenkundig, daß viele der Anwesenden betrogen. Sie machten falsche Angaben zur Person. Gott allein mag wissen, weshalb; vielleicht hatte die herrschende Atmosphäre ihre Sinne getrübt. Der Lärm und das Getöse schwollen dermaßen an, daß man sich nur schreiend verständigen konnte. Plötzlich hatte einer der vorjährigen Ijons einen, wie es schien, glänzenden Einfall: Der Älteste von uns sollte die Geschichte seines Lebens erzählen. Dadurch würde geklärt werden, wer eigentlich die Steuerung zu reparieren habe, denn der Älteste barg in seiner vergangenen Erfahrung alle Gegenwärtigen aus den verschiedenen Monaten, Tagen und Jahren. Wir wandten uns also an einen silberhaarigen Greis, der leicht zitternd in einer Ecke das Mauerblümchen spielte. Er begann uns des langen und breiten von seinen Kindern und Enkeln zu erzählen und ging dann auf die kosmischen Reisen ein, von denen er während seines neunzigjährigen Lebens unzählige erlebt hatte. An diejenige, die gerade vonstatten ging und die für uns die einzig wichtige war, erinnerte sich der Greis infolge einer allgemeinen Sklerose und Erregung überhaupt nicht mehr, aber er war derart eingebildet, daß er das nicht zugeben wollte und stets ausweichend antwortete, wobei er sich auf seine Beziehungen zu höher gestellten Kreisen, auf seine Orden und auf seine Enkel berief, so daß wir ihn schließlich niederschrieen und ihm Schweigen geboten……..”

aus Stanislaw Lem : “die Sterntagebücher” (Lems Held Ijion Tichy gerät in obiger Episode in einen Strudel aus Raum und Zeit und beginnt sich zu vervielfältigen.)

Bilderfolgen stottern; Hin und wieder komme ich auf den Punkt. Meistens verselbständigt sich aber alles und alle Skizzen und Überlegungen sind nichts als entfernte Vorfahren des letztendlichen Ergebnisses.Allerdings sind die neuen Verwandten immer etwas verzerrt , oder sie haben selbst Kinder bekommen, sie sind seltsam verändert und von der Grundidee oft weit entfernt.Ehemals zusammenhängende Erzählstränge werden zerrissen und wieder zusammengefügt. Die Aneinanderreihung mehrerer Bilder und die Überlagerungen verschiedener Bildteile ermöglichen mir Flexibilität in der Bildgestaltung , und erlauben eine relativ große Interpretationsfreiheit.Es sind keine erzählerisch durchgehend kohärenten Bildgeschichten – eher Telefonate bei schlechtem Empfang.Das ist weniger ein theoretisches oder philosophisches Konzept als vielmehr eine Notwendigkeit, die anscheinend der psychologischen Natur meiner Person geschuldet ist. Seltsamerweise ist die Malerei für mein seelisches Gleichgewicht notwendig, darum stehe ich regelmäßig vor der Aufgabe Bilder zu “produzieren” und sie anschließend zu ordnen.Das langsame Drehen am Sendersuchlauf bei alten Radiogeräten ergibt ein von Musikstücken und Gesprächsfetzen unterbrochenes Dauerrauschen. So ähnlich funktionieren meine Bilder , zumindest meiner Ansicht nach.

Im Laufe der Jahre ist der Bilderstapel beträchtlich angewachsen ,woraufhin ich mir mehrere Mal- und Zeichenmaschinen gebaut habe um einerseits die produktive Arbeit und andererseits die Ordnungs – arbeit konstant fortsetzen zu können.Ich wechsle oft zwischen verschiedenen Methoden und bin deshalb ,mehr oder weniger gezwungen mich auf bestimmte Mechanismen zu beschränken, um bei der Arbeit nicht völlig den Überblick zu verlieren.Als Jugendlicher verbrachte ich viele Ferien mit meiner Familie in Italien, und nichts hat mein Kunstverständnis so geprägt wie die damaligen Besuche in italienischen Museen ,Palazzi und Kirchen. Im Herzogspalast von Mantua hat Antonio Pisanello eine Ritterschlacht aus der Artussage an die Decke gemalt. Das Fresko besteht zwar hauptsächlich aus grau-schwarzen und rot-braunen Strichen und Schwüngen und ist nur mehr teilweise erhalten. Das Fresko wurde nie ganz fertig und ist auch schon halb verfallen.Nichtsdestotrotz entwickelt der Raum eine enorme Intensität.Gedanken und Informationen korrodieren genauso wie alles andere auch. In jedem Transformationsprozess wird immer auch  „Stille Post“ gespielt

.Bilder müssen mir nicht gefallen damit  ich sie mag – ich kann sie mir genau merken. Bei anderen Kunstformen bin ich da wesentlich empfindlicher und vergesslicher. Information zu konservieren und die konservierte Information zu interpretieren sind zwei verschiedene Dinge. An und für sich kann ich beides – leider nicht bei meinen eigenen Bildern. Ich kann sie nicht wirklich erklären, da ich eine Art geschäftsmäßige Distanz zu ihnen habe. Diese Distanz erschwert es mir auch das endgültige “Arbeitsende”, den definitiven Zustand des “Fertig Seins” bzw. der Vollendung festzusetzen. Es kostet mich Überwindung ein Bild für “fertig” zu erklären und die Gruppierung und das Sortieren der Fragmente sind ein mitunter langes Suchspiel.Die Bildtitel sind  Anhalts – und Ausgangspunkte möglicher Interpretationen. Meinen Bildern konkrete Aussagen zuzuschreiben ist möglich, allerdings nicht notwendig, denn sie sind gestottert, sie blabbern.Ich will keine “Botschaft” vermitteln, sondern vielmehr dem Betrachter Bruchstücke einer Geschichte servieren, die im besten Fall den Betrachter veranlassen eine Geschichte zu erfinden. Das heißt ich erledige nur die halbe Arbeit , den Rest muss der Betrachter erledigen, falls er eine “Aussage” oder Geschichte finden will.

Im Folgenden erlaube ich mir Ideen anderer Fachgebiete auszuleihen, um meine Herangehensweise zu verdeutlichen:Das Shannon-Hartley-Gesetz beschreibt in der Nachrichtentechnik die theoretische Obergrenze einer Informationsmenge eines Übertragungskanals in Abhängigkeit von Bandbreite und Signal-zu-Rausch-Verhältnis, über den mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eine fehlerfreie Datenübertragung möglich ist. Dabei geht es insbesondere darum, die Datensignale vom Hintergrundrauschen zu trennen.Das Hintergrundrauschen ist bei meinen Bildern also “die Wand”, der Raum um die Bilder und der Abstand zwischen den Bildern. Eine fehlerlose Informationsübertragung ist also schon aufgrund des ”Signal-zu-Rausch- Verhältnisses” ziemlich unwahrscheinlich. Bei der Übertragung von Nachrichtensignalen ist das Rauschen meistens die größte Störquelle. Die Rauschquellen treten dabei im gesamten Übertragungssystem, also im Sender, im Empfänger und auf dem Übertragungsweg auf. Allerdings sind Signale vorhanden und wollen interpretiert werden. Das  “Rauschen” selbst ist neutral, es ist sozusagen das Medium indem sich die Bilder als Kristallisationspunkte formen.Das Rauschen als Gesamtheit der Psyche wird an bestimmten Stellen bildlich und lesbar. Kristallisationskeime sind Emotionen und Ideen.

Der Amateurarchäologe Niels Frederik Bernhard Sehested gilt als Begründer der Experimentalarchäologie. Er organisierte im Jahre 1875 umfangreiche archäologische Ausgrabungen, für die er die Landarbeiter des Gutes Broholm und deren Familien einspannte. Nach zwei Sommern waren dann so viele Steinzeit-Artefakte gefunden worden, dass die Untersuchungen eingestellt werden mussten. Es war derart viel gesammelt worden, dass ein besonderes Museum gebaut werden musste, das im Jahre 1878 eröffnete und erst anschließend wurden die Grabungsarbeiten fortgesetzt.Setzt man die künstlerische Tätigkeit in einer Analogie mit Grabungsarbeiten gleich, dann wäre das einzelne Kunstwerk ein Sammlungs- und Ordnungsort für Artefakte, ähnlich dem Sehsted’schen Museum.