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Bilderfolgen stottern; Hin und wieder komme ich auf den Punkt. Meistens verselbständigt sich aber alles und alle Skizzen und Überlegungen sind nichts als entfernte Vorfahren des letztendlichen Ergebnisses. Allerdings sind die neuen Verwandten immer etwas verzerrt , oder sie haben selbst Kinder bekommen, sie sind seltsam verändert und von der Grundidee oft weit entfernt.

Ehemals zusammenhängende Erzählstränge werden zerrissen und wieder zusammengefügt. Die Aneinanderreihung mehrerer Bilder und die Überlagerungen verschiedener Bildteile ermöglichen mir Flexibilität in der Bildgestaltung und erlauben eine relativ große Interpretationsfreiheit.

Es sind keine erzählerisch durchgehend kohärenten Bildgeschichten – eher Telefonate bei schlechtem Empfang.

Das ist weniger ein theoretisches oder philosophisches Konzept als vielmehr eine Notwendigkeit, die anscheinend der psychologischen Natur meiner Person geschuldet ist. Seltsamerweise ist die Malerei für mein seelisches Gleichgewicht notwendig, darum stehe ich regelmäßig vor der Aufgabe Bilder zu “produzieren” und sie anschließend zu ordnen. Das langsame Drehen am Sendersuchlauf bei alten Radiogeräten ergibt ein von Musikstücken und Gesprächsfetzen unterbrochenes Dauerrauschen. So ähnlich funktionieren meine Bilder , zumindest meiner Ansicht nach.

Im Laufe der Jahre ist der Bilderstapel beträchtlich angewachsen ,woraufhin ich mir mehrere Mal- und Zeichenmaschinen gebaut habe um einerseits die produktive Arbeit und andererseits die Ordnungs – arbeit konstant fortsetzen zu können.Ich wechsle oft zwischen verschiedenen Methoden und bin deshalb ,mehr oder weniger gezwungen mich auf bestimmte Mechanismen zu beschränken, um bei der Arbeit nicht völlig den Überblick zu verlieren.

Als Jugendlicher verbrachte ich viele Ferien mit meiner Familie in Italien, und nichts hat mein Kunstverständnis so geprägt wie die damaligen Besuche in italienischen Museen ,Palazzi und Kirchen. Im Herzogspalast von Mantua hat Antonio Pisanello eine Reiterschlacht aus der Artussage an die Decke gemalt. Das Fresko besteht zwar hauptsächlich aus grau-schwarzen und rot-braunen Strichen und Schwüngen und ist nur mehr teilweise erhalten. Das Fresko wurde nie ganz fertig und ist auch schon halb verfallen. Nichtsdestotrotz entwickelt der Raum eine enorme Intensität. Gedanken und Informationen korrodieren genauso wie alles andere auch. In jedem Transformationsprozess wird immer auch  „Stille Post“ gespielt.

Bilder müssen mir nicht gefallen damit  ich sie mag – ich kann sie mir genau merken. Bei anderen Kunstformen bin ich da wesentlich empfindlicher und vergesslicher. Information zu konservieren und die konservierte Information zu interpretieren sind zwei verschiedene Dinge. An und für sich kann ich beides – leider nicht bei meinen eigenen Bildern.

Ich kann sie nicht wirklich erklären, da ich eine Art geschäftsmäßige Distanz zu ihnen habe. Diese Distanz erschwert es mir auch das endgültige “Arbeitsende”, den definitiven Zustand des “Fertig Seins” bzw. der Vollendung festzusetzen. Es kostet mich Überwindung ein Bild für “fertig” zu erklären und die Gruppierung und das Sortieren der Fragmente sind ein mitunter langes Suchspiel. Die Bildtitel sind  Anhalts – und Ausgangspunkte möglicher Interpretationen. Meinen Bildern konkrete Aussagen zuzuschreiben ist möglich, allerdings nicht notwendig, denn sie sind gestottert, sie blabbern. Ich will keine definitive “Botschaft” vermitteln, sondern vielmehr dem Betrachter Bruchstücke einer Geschichte servieren, die im besten Fall den Betrachter veranlassen eine Geschichte zu erfinden. Das heißt ich erledige nur die halbe Arbeit , den Rest muss der Betrachter erledigen, falls er eine “Aussage” oder Geschichte finden will.

Im Folgenden erlaube ich mir Ideen anderer Fachgebiete auszuleihen, um meine Herangehensweise zu verdeutlichen:Das Shannon-Hartley-Gesetz beschreibt in der Nachrichtentechnik die theoretische Obergrenze einer Informationsmenge eines Übertragungskanals in Abhängigkeit von Bandbreite und Signal-zu-Rausch-Verhältnis, über den mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eine fehlerfreie Datenübertragung möglich ist. Dabei geht es insbesondere darum, die Datensignale vom Hintergrundrauschen zu trennen.Das Hintergrundrauschen ist bei meinen Bildern also “die Wand”, der Raum um die Bilder und der Abstand zwischen den Bildern. Eine fehlerlose Informationsübertragung ist also schon aufgrund des ”Signal-zu-Rausch- Verhältnisses” ziemlich unwahrscheinlich. Bei der Übertragung von Nachrichtensignalen ist das Rauschen meistens die größte Störquelle. Die Rauschquellen treten dabei im gesamten Übertragungssystem, also im Sender, im Empfänger und auf dem Übertragungsweg auf. Allerdings sind Signale vorhanden und wollen interpretiert werden. Das  “Rauschen” selbst ist neutral, es ist sozusagen das Medium indem sich die Bilder als Kristallisationspunkte formen.Das Rauschen als Gesamtheit der Psyche wird an bestimmten Stellen bildlich und lesbar. Kristallisationskeime sind Emotionen und Ideen.

Der Amateurarchäologe Niels Frederik Bernhard Sehested gilt als Begründer der Experimentalarchäologie. Er organisierte im Jahre 1875 umfangreiche archäologische Ausgrabungen, für die er die Landarbeiter des Gutes Broholm und deren Familien einspannte. Nach zwei Sommern waren dann so viele Steinzeit-Artefakte gefunden worden, dass die Untersuchungen eingestellt werden mussten. Es war derart viel gesammelt worden, dass ein besonderes Museum gebaut werden musste, das im Jahre 1878 eröffnete und erst anschließend wurden die Grabungsarbeiten fortgesetzt.Setzt man die künstlerische Tätigkeit in einer Analogie mit Grabungsarbeiten gleich, dann wäre das einzelne Kunstwerk ein Sammlungs- und Ordnungsort für Artefakte, ähnlich dem Sehsted’schen Museum.

 

 

Austellungen und Austellungsbeteiligungen, Preise:

Munding Innsbruck
Preis des Theodor Körner-Fonds /Wien
Galerie 422 /Gmunden
Galerie goldener Engel /Hall in Tirol
Galerie Schmid /Reith i. Alpachtal
Kulturverein Achenkirch
Unzone Kufstein
Galerie Stalzer /Wien
Architekturbüro „sputnic“ /Wien
Artdepot /Innsbruck
Galerie Hilger /Wien

Akademie der bildenden Künste /Wien
Alte Schmiede / Wien
SWINGR Wien *

Galerie im Andechshof /Innsbruck
Kunstraum Innsbruck
Walter Koschatzky Kunstpreis – Ausstellung der nominierten Werke Mumok Wien
area53 /Wien
Vel Satis Award / Wien
Kupferstichkabinett /Wien
Ca. 1000m2 Tiroler Kunst /Innsbruck
Louisiana uber alles UNO /New Orleans
Area 53 /Oslo

 

Image sequences stutter; Now and then I get to the point. Mostly, everything becomes independent and all sketches and reflections are nothing but remote ancestors of the final result. However, the new relatives are always a bit distorted, or they have even children, they are strangely changed and often far from the basic idea.
Former narrative strands are torn apart and put back together. The juxtaposition of several images and the overlays of different image parts allow me flexibility in the image design and allow a relatively large freedom of interpretation.
There are no narrative consistently coherent picture stories – rather phone calls with poor reception.
This is not so much a theoretical or philosophical concept as a necessity that seems to be due to the psychological nature of my person. Strangely enough, painting is necessary for my mental balance, so I am regularly faced with the task of „producing“ images and then organizing them. The slow turning on the station search with old radios results in a piece of music and chatter interrupted continuous noise. That’s how my pictures work, at least in my opinion.
Over the years, the pile of images has grown considerably, and I have built several painting and drawing machines to be able to continue on the one hand the productive work and on the other the orderly work constantly. I often switch between different methods and therefore, more or less forced to limit myself to certain mechanisms in order not to completely lose track of the work.
As a teenager, I spent many holidays with my family in Italy, and nothing shaped my understanding of art as much as my visits to Italian museums, palazzi and churches. In the Ducal Palace of Mantua Antonio Pisanello has painted a cavalry battle from the Arthurian legend to the ceiling. Although the fresco consists mainly of gray-black and red-brown lines and curves and is only partially preserved. The fresco was never completely finished and is already half expired. Nonetheless, the space is developing a tremendous intensity. Thoughts and information corrode just like everything else. In every transformation process, „Silent Post“ is always played.
I do not have to like pictures so I like them – I can remember them exactly. For other art forms I am much more sensitive and forgetful. Conserving information and interpreting conserved information are two different things. In and of itself I can do both – unfortunately not with my own pictures.
I can not really explain it because I have a kind of businesslike distance to them. This distance also makes it difficult for me to fix the final end of work, the definitive state of „being ready“ or the completion. It costs me to overcome an image for „finished“ to declare and the grouping and sorting of the fragments are a sometimes long search game. The titles are starting points and starting points of possible interpretations. To attribute concrete statements to my pictures is possible, but not necessary, because they are stuttered, they are blabbering. I do not want to convey a definitive „message“, but rather serve the viewer fragments of a story, which in the best case cause the viewer to invent a story. That means I only do half the work, the rest has to do the viewer, if he wants to find a „statement“ or story.
In the following, I allow myself to borrow ideas from other disciplines to clarify my approach: The Shannon-Hartley law describes in communications engineering, the theoretical upper limit of information volume of a transmission channel as a function of bandwidth and signal-to-noise ratio, over with a certain probability an error-free data transmission is possible. In particular, it is about separating the data signals from the background noise. The background noise in my pictures is therefore „the wall“, the space around the pictures and the distance between the pictures. A flawless transfer of information is therefore quite unlikely because of the „signal-to-noise ratio“. When transmitting message signals, the noise is usually the biggest source of interference. The noise sources occur in the entire transmission system, ie in the transmitter, in the receiver and on the transmission path. However, signals are present and want to be interpreted. The „noise“ itself is neutral, it is, so to speak, the medium in which the images form as crystallization points. The noise as the totality of the psyche becomes pictorial and readable in certain places. Crystallization germs are emotions and ideas.
The amateur archaeologist Niels Frederik Bernhard Sehested is considered the founder of experimental archeology. He organized in 1875 extensive archaeological excavations, for which he harnessed the farm workers of the Broholm estate and their families. After two summers, so many Stone Age artifacts had been found that the investigations had to be stopped. It had been collected so much that a special museum had to be built, which opened in 1878 and only then were the excavations continued. If one equates the artistic activity with an analogy with excavation works, then the single work of art would be a place of collection and order for artifacts, similar to the Sehsted museum.